Die Beziehung zwischen Mann und Frau
#1
Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist an sich schon manchmal schwierig, aber ich meine insbesondere die Ehen zwischen Deutschen und Marokkanern. Es gibt hier einige Besonderheiten, die man kennen sollte. Immer wieder wurden die zu erwartenden Schwierigkeiten hier oder dort dargestellt, aber es gibt meines Wissens kein Thema, das die Problematik allgemein behandelt. Mit meinen zwei Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet bin ich nicht gerade der Experte. Ich bin deshalb allen dankbar, die mir bisher geholfen haben, die kulturellen Unterschiede zu verstehen. Besonders Thomas hat mir mit seiner großen Erfahrung und Hilfsbereitschaft sehr viel an Wissen vermittelt. Über das grundsätzliche Verständnis einer Ehe in Marokko. Eine marokkanische Frau sucht in erster Linie das Versorgtsein, ein marokkanischer Mann hat nun die Möglichkeit, legalisierten Sex zu haben. Wobei Sex in erster Linie ein Vergnügen des Mannes ist. Aber Achtung! Das ist eine sehr vereinfachte Darstellung. Sie wird vielen Einzelfällen sicher nicht ganz gerecht. Ich habe zum Beispiel von marokkanischen Ehefrauen gehört, die pausenlos Sex wollen, so dass der marokkanische Ehemann kaum noch hinterherkommt. 

Ich will nun einen wichtigen Punkt ansprechen, der mir so erst kürzlich klar geworden ist. Oder sagen wir besser: so ist mein gegenwärtiges Verständnis, das ihr gern etwas korrigieren dürft, wenn ich das zu einseitig oder falsch sehe. Der Punkt ist die Geschlechtertrennung. Ich komme immer mehr zu der Auffassung, dass es echte geistig-seelische Beziehungen zwischen Mann und Frau kaum gibt. Durch die Trennung der Geschlechter verkehren Männer mit Männern und Frauen mit Frauen. Junge Mädchen lernen also schon früh, Beziehungen zu anderen Frauen zu entwickeln. Das sind die (weiblichen) Verwandten und die Freundinnen. Zu diesen besteht eine stärkere Beziehung im eigentlichen Sinn des Wortes als sie zu einem Mann je möglich sein kann. Eine tiefe Beziehung wie sie auch in Europa alles andere als selbstverständlich ist, also schon hier mehr die Ausnahme (die Beziehung zwischen Mann und Frau ist eben prinzipiell nicht so einfach), ist in marokkanisch-islamischen Kultur eher nicht vorgesehen. Alle Heiratswilligen sollten sich deshalb mit diesen Gedanken auseinandersetzen. 

Wie denkt ihr darüber? Wo liege ich eventuell falsch?
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#2
Hallo Wolfgang,
Nach meinen langjährigen Beobachtungen und Erfahrungen stimme ich Dir weitestgehend zu.
Aus meiner Sicht gibt es in Marokko sowohl eine Frauen- als auch eine Männerwelt, zu der das jeweils andere Geschlecht keinen Zugang hat, wobei in den größeren Städten seit vielen Jahren eine Veränderung stattfindet. Dort führen Mann und Frau immer mehr ein Gemeinschaftsleben, gehen gemeinsam ins Café oder Restaurant, treffen sich mit befreundeten Paaren. Im Wesentlichen findet dieses Leben in den besser gebildeten Kreisen statt. Zahlreiche junge Frauen besuchen höhere Schulen und Universitäten, arbeiten anschließend und sind nicht mehr davon abhängig, einen Mann nur noch als Versorger zu betrachten. Sie gehen alleine aus, oder auch in Begleitung männlicher Freunde, setzen sich ins Café und rauchen dort teilweise auch in der Öffentlichkeit. Natürlich gibt es eine große Anzahl Männer, die diese selbstbewussten Frauen allein aufgrund dessen als Prostituierte betrachtet.
Bereits vor über 40 Jahren, als ich in Marrakech lebte und eine private Sprachschule führte, wurde mir bewusst, dass zahlreiche junge Frauen die Männer links  außen überholt hatten, während die Männer der Ansicht waren, dass die Frauen noch immer 3 Schritte hinter ihnen her liefen.
Aus einem Aufsatzthema heraus, das ich den 18-28 Jährigen stellte, ging hervor, dass die meisten der jungen Männer der Ansicht waren, dass die jungen Mädchen nur deswegen zur Schule und Universität gingen um sich dort einen Lehrer oder Schüler aus besseren Kreisen zu "angeln". Natürlich habe ich auch den einen oder anderen Fall erlebt wo es tatsächlich so war, doch das war bei Weitem die Ausnahme. Die meisten dieser Mädchen wünschten sich durch ihr Studium eine gewisse Unabhängigkeit zu erlangen und nicht auf Gedeih und Verderb von einem Manne abhängig zu sein.
In Kreisen mit einem geringerem Bildungsniveau und natürlich in ländlichen Gegenden besteht diese Differenzierung auch heute noch weitestgehend, und dort wird auch noch häufig von der europäischen Ehefrau des Sohnes erwartet, dass sie nicht ohne männliche Begleitung allein das Haus verlässt, selbst wenn der Begleiter nur ein 6 jähriger Knabe ist.
Was mich immer wieder überrascht ist es, dass Europäer(innen) Hals über Kopf eine(n) Marokkaner(in) heiraten wollen, den sie lediglich per Whatsapp kennen, noch nie in dem Land waren und überhaupt keine Ahnung von der dortigen Kultur und Lebensweise haben. Bei Europäern kämen sie wohl nie so schnell auf den Gedanken heiraten zu wollen. 
Ein weiterer wesentlicher Punkt, der zu berücksichtigen ist: wenn man eine(n) Marokkaner(in) heiratet, dann heiratet man die ganze Familie mit, und deshalb sollte man die zuvor auch gut kennen lernen.
Ich habe diesen Schritt vor 15 Jahren getan und dabei das große Los gezogen, was ich auch einem jeden hier von Herzen wünsche.

LG, Theo
Bevor Du Dein Kamel dem Schutz Allahs anvertraust, binde es gut fest.
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#3
Hallo,

ich danke euch beiden für eure offenen Stellungnahmen. Gleichzeitig hoffe ich, dass hier noch mehrere Erfahrungen gepostet werden, z. B. von europ. Frauen, die in Marokko verheiratet sind, oder evtl. auch von sehr religiösen Ehepaaren.
Ich kann dem bisher Gesagten in vielem zustimmen.

Die Ehen, die ich in Marokko kenne (keine binationalen), sind alle im traditionellen Umfeld nach althergebrachter Weise geschlossen. Oft stammen die Partner aus einer großen Familie, Cousin und Cousinen 1.und 2. Grades nicht selten.

Ja, die „Welten“ sind getrennt. Ich erlebe eigentlich selten einen SICHTBAREN engen Zusammenhalt zwischen den Eheleuten. Nähe / Verliebtsein zeigen ein no go!
Frauen zu Frauen, Männer zu Männern bei Besuchen.
Als Europ. am Anfang sehr ungewohnt….
Habe z. B. erlebt, dass junge Ehefrauen sehr lange zu ihrer Ursprungsfamilie zurückkehren, ohne den Mann, und dort bleiben.
Bei der Schwiegermama dienen sie öfter als „bonne“, Begriff hier etwas überzeichnet.

Gemeinsame Interessen wie hier selten, allerdings ist das Bildungssache.
Vermutlich nehmen nur wir „Ausländer“ das so stark wahr, die Frauen dort scheinen zufrieden.

Und schwer für uns, dort traditionell zu leben.
Mein Mann z. B. legt quasi sofort mit der europ. Kleidung dort seine europ. Lebensweise ab. Er „ mutiert“ zum super Traditionalisten. Nie würde er innovativ auf jd. einwirken.
Nun, ich habe ebenfalls eine tolle Familie erwischt und also viel Glück.
Und ich komme gut klar!

Grüße,

bulbulla
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