21.01.2026, 11:38
...gerade gelesen - eine empfehlenswerte Lektüre:
Der Hofnarr
Mahi Binebine
ISBN 978-3-85787-484-0
Lenos Verlag, 200 Seiten
Im Jahr 2018, der Erstveröffentlichung des vorliegenden Buches sind längst die „bleiernen Jahre“ vorbei. Die Zeit des Schweigens nach den grausamen Vergeltungsmaßnahmen König Hassans II, der mit Unerbittlichkeit alle hinrichtete bzw. bestrafte, die an den Attentaten gegen seine Person 1971 und 1972 beteiligt waren.
Für den damals 12-jährigen Mahi Binebine ein einschneidendes Erlebnis, als sein ältester Bruder, Ausbilder an der Kadettenschule Ahermoumou unwissentlich daran beteiligt, inhaftiert wird. Erst sitzt er zwei Jahre in Kenitra, später 18 Jahre im Foltergefängnis Tazmamart.
Trotz des unermesslichen Leids, das damit über die Familie hereinbrach, versucht Binebine, eine (Auto)-Biographie über seinen Vater zu schreiben, der von 1964 bis zum Tod von Hassan II im Juli 1999 sein engster Vertrauter war.
In der Ich-Form geschrieben, berichtet Muhammad von seinem Leben am Hof. Der Mann mit dem brillanten Gedächtnis verdient eigentlich den Titel „Hofnarr“ nicht. Ja, er ist Geschichtenerzähler und oft genug neben dem Musiker Saher verantwortlich dafür, den König in eine geruhsame Nachtruhe zu geleiten. Aber schnell wird deutlich, dass Muhammad Launen und Ausdruck des Königs so sicher zu deuten weiß, dass er eigentlich ein Freund Sidis – seines Gebieters ist. Diese Sonderstellung erfordert jedoch eine öffentliche Abkehr, vom eigenen Sohn nach dem Attentat 1972. Wo bleibt hier die Moral? Mag sich jeder Leser sein eigenes Bild nach der Lektüre machen, die tiefen Einblick an das Leben am Hof vermittelt.
Unvorstellbar, die Milde seinem Peiniger und dem eigenen Vater gegenüber, als Aziz (im Buch: Abel) nach zwanzig Jahren 1992 entlassen wird und als gebrochener Mensch heimkehrt. Verzeihen, so sagt er, sei eine Wundermedizin.
Ein ungewöhnlich tiefgehender Bericht aus der Zeit der „bleiernen Jahre“ aus einem ganz anderen Blickwinkel, der dennoch zwischen den Zeilen nichts beschönigt.
Der Hofnarr
Mahi Binebine
ISBN 978-3-85787-484-0
Lenos Verlag, 200 Seiten
Im Jahr 2018, der Erstveröffentlichung des vorliegenden Buches sind längst die „bleiernen Jahre“ vorbei. Die Zeit des Schweigens nach den grausamen Vergeltungsmaßnahmen König Hassans II, der mit Unerbittlichkeit alle hinrichtete bzw. bestrafte, die an den Attentaten gegen seine Person 1971 und 1972 beteiligt waren.
Für den damals 12-jährigen Mahi Binebine ein einschneidendes Erlebnis, als sein ältester Bruder, Ausbilder an der Kadettenschule Ahermoumou unwissentlich daran beteiligt, inhaftiert wird. Erst sitzt er zwei Jahre in Kenitra, später 18 Jahre im Foltergefängnis Tazmamart.
Trotz des unermesslichen Leids, das damit über die Familie hereinbrach, versucht Binebine, eine (Auto)-Biographie über seinen Vater zu schreiben, der von 1964 bis zum Tod von Hassan II im Juli 1999 sein engster Vertrauter war.
In der Ich-Form geschrieben, berichtet Muhammad von seinem Leben am Hof. Der Mann mit dem brillanten Gedächtnis verdient eigentlich den Titel „Hofnarr“ nicht. Ja, er ist Geschichtenerzähler und oft genug neben dem Musiker Saher verantwortlich dafür, den König in eine geruhsame Nachtruhe zu geleiten. Aber schnell wird deutlich, dass Muhammad Launen und Ausdruck des Königs so sicher zu deuten weiß, dass er eigentlich ein Freund Sidis – seines Gebieters ist. Diese Sonderstellung erfordert jedoch eine öffentliche Abkehr, vom eigenen Sohn nach dem Attentat 1972. Wo bleibt hier die Moral? Mag sich jeder Leser sein eigenes Bild nach der Lektüre machen, die tiefen Einblick an das Leben am Hof vermittelt.
Unvorstellbar, die Milde seinem Peiniger und dem eigenen Vater gegenüber, als Aziz (im Buch: Abel) nach zwanzig Jahren 1992 entlassen wird und als gebrochener Mensch heimkehrt. Verzeihen, so sagt er, sei eine Wundermedizin.
Ein ungewöhnlich tiefgehender Bericht aus der Zeit der „bleiernen Jahre“ aus einem ganz anderen Blickwinkel, der dennoch zwischen den Zeilen nichts beschönigt.
Barbara & Andreas
marokko-erfahren.de
marokko-erfahren ist eine unabhängige europaweite Privatinitiative zur Förderung von Beschäftigung und Kulturerhalt.
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